Saturday, 31/10/2020 | 12:35 UTC+1

Die dunkle Seiten der Agentur Starnet

Das Geschäfte mit den Fotomodellen

Bericht von Agnes Schirinowski über Agentur Starnet

 

Viele junge Mädchen wollen Model werden – doch ist die Agentur seriös?

Welche Anzahl an Mädels gern Model werden wollen, zeigen immer wieder die Staffeln von “Germany’s Next Topmodel”. Die Verfasserin Agnes Schirinowski* modelt seit vier Jahren – und kennt auch die Schattenseiten der Modelbranche.

Interessante Leute kennenleren, reisen und tolle Klamotten – so erleben die Models ihren Tag auf der ersten Aussicht. Doch sogar bei Heidi Klums Mädels laufen Tränen. Die Wahrheit ist noch viel härter und das erfahren Sie hier.

 

Agenturchefin winkt Bewerberinnen einfach zur Tür durch

Die Chefin Renate K. der Agentur Starnet mustert mich von oben bis unten, nimmt meine Abzüge in die Hand, blättert einige Seiten um und gibt sie mir mit einem “Bitteschön” zurück. Ich schafe es nicht einmal meine Jacke auszuziehen und meine fetten Winterstiefel gegen High-Heels auzutauschen. Ich bin empöhrt: “Die Modeschöpferin hat mich sachlich kontaktiert und beabsichtige mich kennenzulernen. Könnte ich Sie sprechen?” Mit einem herabsetzenden Blick weist die Ageturchfin in Richtung Eingangstür: “Ich entscheide hier die erste Vorauswahl”.

 

Ich befürchte es ist die letzte Vorstellung bei einem Modedesigner für die Berliner Fashion Week. Vier Tage, 19 Castingeinladungen. Der Zeitplan ist straff. An jeder Ecke treffe ich auf Mädels, die ich vorher schon auf einem anderen Casting getroffen habe, die auch wie ich ernergisch ihr Glück versuchen. Sie haben alle dünne, lange Beine und glotzen dennoch neidisch auf noch schlankere Mitbewerberinnen.

 

Gleichmäßige Mahlzeiten passen nicht mit Castingterminen zusammen.

 

Castingveranstaltungen sind das Beklagenswerteste am Beruf des Fotomodels. Ich habe vor vier Jahren damit begonnen, damals war ich 16 Jahre jung. Trotzdem habe ich mich immer noch längs nicht gewöhnt, dass andere Leute, die man nur für weniger als eine Minute sieht, über mein Aussehen urteilen. Da ist es nicht leicht, sein Selbstbewusstsein nicht zu verlieren. Obgleich ich ich das einladen zu Casting und Business Terminen im Vorfeld der Berliner Fashion Week schon längst gewöhnt sein müsste, dauerte es in diesem Jahr schon wieder mehrere Anläufe, bis die Nervosität nachließ und sich mein Bauch an den Hunger gewöhnt hatte. Geregelte Mahlzeiten vertragen sich mit Kleideranproben und Castingterminen nämlich nicht so gut.

Dass ich mich sowieso entschieden habe, Fotomodel zu werden liegt daran, dass ich bereits seit langer Zeit dünn, gross und wie mir andere sagten relativ hübsch war. Model zu sein bot sich eben an und ich stellte es mir gut vor, mit dem Aussehen meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Oft zu verreisen, glamouröse Typen kennenzulernen und mich ganz intensiv mit Mode zu beschäftigen.

Castingtermine wohin man schaut!

Ganz so easy war der Start mit der Agentur Starnet aus Berlin einfach nicht: Selbstverständlich reiste ich durch ganz Deutschland mit der Hoffnung, die richtige Agentur zu finden, die mich aufnimmt. Von großen Casting-Agenturen wurde ich nach München, Hamburg und Berlin gebeten, und das immer auf eigene Kosten.

So musste ich mich erstmal bei meinen Eltern verschulden, kassierte unzählige Absagen. Doch nach einer Zeit zahlte es sich aus, dass ich zu jedem Casting gegangen bin und hartnäckig blieb. Ich bin bei Starnet unter Vertrag gekommen. Für die vielen Fotos, mit denen ich mich in Zukunft bei Castings für Modelaufträge bewerben wollte, musste ich in Vorkasse gehen. Bis ich als Fotomodel überhaupt ein erstes, Engagement mit Bezahlung ergattern konnte, habe ich also eigentlich immer investiert und dies mit Hilfe meiner Eltern, die damals meinen Traum unterstützt haben.

 
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1 Comment

  1. Ibrahim
     /  Antworten

    Meine Tochter hat einen Anruf von der Agentur für ein Casting am Samstag bekommen. Wir fuhren in das Hotel. Man sich bei der Casting Direktorin melden und wird auch von der gemustert. Wenn man es geschafft hat geht man in einen großen Warteraum, für die kleinen steht dort ein Fernseher über den Zeichentrickfilme gezeigt werden. Dann wird man nochmals aufgerufen (man wird darauf aufmerksam gemacht, alle Klamotten aus dem Warteraum wieder mitzunehmen, damit man vom Probeshooting aus nicht immer hin und her laufen muss. Vorher muss man noch mit dem Scout sprechen der einem noch paar Tips gibt. Alles in allem war meine Tochter mit dem Fotoshooting nicht sehr zufrieden.

     

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